Die SchülerInnen sitzen gespannt in einem Halbkreis um die Tafel, auf der Herr Gabriel Wackermann zugeschaltet ist. Er ist ein sehr offener und interessierter Mensch, der uns von seinen Erfahrungen während der Zeit des Nationalsozialismus, als Zeitzeuge aus dem Elsass, erzählen wird.

Er ist 1928 geboren und war somit 11 Jahre alt, als der Krieg beginnt. Doch erst 1940 besetzte die Wehrmacht das Elsass und der junge Franzose musste vom französischen Lycée auf ein deutsches Gymnasium im damals besetzten Hagenau, heute Teil des französischen Elsass, wechseln, auf dem ihm verboten wurde, seine Muttersprache Französisch zu sprechen. Er erzählt uns, wie in seiner Schulklasse eine Mischung aus Kindern aus deutschen, meistens nationalsozialistischen Familien und Elsässern herrschte, wie er in der Schule gerne diese deutschen Kinder geärgert hat und dennoch, wie er meinte, einige Nazis mit den Elsässern sympathisierten. Trotzdem war in der Klasse Vorsicht geboten. Ein Besuch des Gymnasiums wurde ihm nur wegen seines erzwungenen Beitrittes zur Hitlerjugend gewährt. Herr Wackermann war Teil der Flieger-Hitlerjugend und träumte davon, später zu den Alliierten zu fliegen und die deutschen Vorhaben zu verraten. Um seinem Traum ein Stück näher zu kommen, nahm er zweimal die Woche an Flugstunden teil.

Weiter erzählt Herr Wackermann von den Lebensumständen und der Lebensmittelknappheit damals. Es gab Lebensmittelkarten, doch auch auf dem Schwarzmarkt wurde versucht, Lebensmittel zu holen. Er selbst musste wöchentlich mit dem Fahrrad 24 km zu seinem Onkel fahren, der ihm Lebensmittel besorgte.

Widerstand leisteten er und seine Familie nicht nur durch den Beitritt zur Volkswohlfahrtsgruppe, sondern auch, indem sie englische Radiosender hörten, obwohl sie damals stark beobachtet und ausspioniert wurden, und indem sein Vater, ein Steuerberater, nur Nazis versteuern ließ.

Im März 1945 entschieden sich Herr Wackermann und seine zwei Compagnons zu desertieren. Zusammen machten sie sich am 8. März auf den Weg in die Freiheit, weg von der Wehrmacht und ihren Pflichten, zurück zu ihren Familien. Dieser begann damit, dass sie ihre Stellungsbefehle fälschten und somit von ihrem Kommando-Chef für weitere 7 Tage von ihrem Dienst befreit wurden. Ihre Flucht begann daraufhin in Kassel und ging weiter über Mannheim, wo sie die Rheinbrücke überqueren wollten. Auf dem Weg hielten Kettenhunde, mit Metallketten bewaffnete Feldpolizisten, eine alte Frau an und waren somit beschäftigt und abgelenkt, während Herr Wackermann und seine Begleitung die Situation ausnutzten, um auf die linke Rheinseite zu fliehen. Von dort aus suchte er seinen Onkel auf, der Ober eines Klosters war, in dem er Zuflucht fand, während seine Freunde zu ihren Familien gingen.

Hierbei schildert er, wie seine schon verstorbene Mutter ihm Kraft und Schutz spendete, um seine Flucht zu überstehen.

In dem Keller des Klosters befand sich eine leere Zelle, in der sie sich von März bis April versteckt haben und in der sie Tag und Nacht beherbergt wurden. Dort lernte er seinen späteren Glauben, das Christentum, kennen. Dieser wurde ihm von der ansässigen Pfarrfrau nahegebracht. Nachrichten erhielt er von seinem Onkel.

Während er in dem Keller Schutz suchte, waren abends oft deutsche Offiziere im Obergeschoss, um ihren Feierabend zu genießen.

Die Amerikaner bezeichnet er als seine Erlöser und informierte sie durch viele Erzählungen und Berichte über die aktuelle Situation in Deutschland. „Die Nazis sind kaputt“. Dieses Zitat umfasst den damaligen aktuelle Zustand der Deutschen, den Herr Wackermann auch so den Amerikanern weitergibt.

Der Krieg endete in seinem 16. Lebensjahr. Zu diesem Zeitpunkt hatte er laut eigener Aussage auch viele deutsche Freunde. In der Regel unterstützten die meisten Franzosen die Juden, da der Antisemitismus im Elsass sehr gering war. Er sprach aber auch an, dass es viele Franzosen gab, die gegen die Juden waren.

Nach dem Krieg studierte er in Straßburg und wurde dort auch Dozent. Heute wohnt er nicht mehr im Elsass, sondern in Mougins an der südfranzösischen Mittelmeerküste. 

Zu der Frage, was er aus der Kriegszeit lernte, berichtet er, dass jeder Krieg unnötig sei und Europa nicht zusammenarbeiten könne, wenn man keine Lösungen fände.

„Heute ist es wichtig, dass wir europäisch denken. Europa ist heute eine Notwendigkeit.“

Jule R., Clara W.

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